Neubewertung & Exploration heimischer Lagerstätten

Klassische und strategische Rohstoffe in Bayern

Vor allem oberflächennahe Rohstoffe, so genannte Massenrohstoffe, sind in Bayern noch ausreichend vorhanden und können weiterhin wirtschaftlich im großen Stil gefördert und genutzt werden.

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  • Steine- und Erden-Rohstoffe (Natursteine/Naturwerksteine wie zum Beispiel Dolomite, Kalksteine, Hartgesteine und Zementrohstoffe, Sande, Kiese, Tone, Lehme): wirtschaftlich gewinn- und nutzbare Vorräte mit Reichweiten größer 50 Jahre;
  • Eisen- und Nichteisenmetalle: Restvorräte aus stillgelegtem Altbergbau mit Reichweiten von wenigen Monaten bis Jahren;
  • Halbleitermetall (Silizium): wirtschaftlich gewinn- und nutzbare Vorräte mit Reichweiten bis 30 Jahre;
  • Industrieminerale (Gips, Anhydrit, Kaolin, Bentonit, Feldspat, Kieselerde, Steinsalz): wirtschaftlich gewinn- und nutzbare Vorräte mit Reichweiten teilweise größer 50 Jahre;
  • Industrieminerale (Flussspat, Schwerspat, Graphit): potenzielle Restvorkommen aus stillgelegtem Altbergbau mit Reichweiten von einigen Jahren;
  • Seltenerd Elemente (SEE): potenzielle, bislang nicht genutzte Vorkommen; Exploration im Auftrag und mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums im Rahmen des Rohstoffsicherungsprogramms ab 2011.

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Rohstoff-Gewinnung in Bayern

Die Förderung, Vermarktung und Veredlung, vor allem von oberflächen­nahen mineralischen Rohstoffen und Natursteinen beziehungsweise Naturwerksteinen, stellt in Bayern einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar, dessen Grundlage in Form von natürlichen Lagerstätten auch in Jahrzehnten noch verfügbar sein wird.

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Die Branche „Gewinnung von Steinen/Erden, Bergbau in Bayern“ beschäftigte 2016 knapp 6.000 Menschen in rund 230 Betrieben und erwirtschaftete einen Umsatz von gut einer Milliarde Euro.

Bei der Gewinnung von

  • Kies und Sand,
  • Naturstein und Naturwerkstein,
  • Gips und Anhydrit, sowie
  • Ton und Kaolin

hat Bayern einen überdurchschnittlichen Anteil an der bundesweiten Produktion.

Die Jahresfördermenge in Bayern beträgt circa 150 Millionen Tonnen an mineralischen Rohstoffen, wobei der jährliche Bedarf pro Person in der Größenordnung von rund 12 Tonnen liegt. Die Grafik zeigt den Bedarf an heimischen, mineralischen Rohstoffen für jeden Bürger Bayerns in einem Jahr.

Jährlicher Bedarf je Einwohner an heimischen, mineralischen Rohstoffen (in kg)
Jährlicher Bedarf je Einwohner an heimischen, mineralischen Rohstoffen (in kg)
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Exploration von Rohstoffen in Bayern

Die rohstoffgeologische Erkundung Bayerns erfolgt sowohl im Rahmen der Rohstoffsicherung für das Bayerische Wirtschaftsministerium und unter dessen Fachaufsicht als auch im Rahmen der rohstoffgeologischen Landes­aufnahme unter der Fachaufsicht des Bayerischen Umwelt­ministeriums durch den Geologischen Dienst am Landesamt für Umwelt.

Im Rahmen des Rohstoffprogramms Bayern werden im Auftrag und mit Mitteln des Staatsministeriums für Wirtschaft, Energie und Technologie durch den Geologischen Dienst am Landesamt für Umwelt spezielle Erkundungsarbeiten im Vorfeld der Wirtschaft durchgeführt.

Ziel dieser Arbeiten ist die energieeffiziente, mittel- bis langfristig gesicherte und verbrauchernahe (kurze Transportwege, Reduzierung des CO2-Ausstoßes) Versorgung Bayerns mit Rohstoffen.

10-Jahres-Rohstoffsicherungsprogramme

Im Rahmen der 10-Jahres-Rohstoffsicherungsprogramme wurden und werden bearbeitet:

Gips-/Anhydrit-Rohstoffe des Mittleren Muschelkalk (Oberfranken)

Mit dem Projekt konnten in Oberfranken zwischen Coburg und Bayreuth potenziell höffige Gebiete mit 340 Millionen Tonnen gewinnbarem Gips und Anhydrit nachgewiesen werden. Sie dienen der weitergehenden Rohstoffversorgung der bayerischen Gipsindustrie mit heimischen Sulfatgesteinen.

Gips-/Anhydrit-Erkundung PDF (9,66 MB)

Rohstoffpotenziale zwischen Mitterteich und Tirschenreuth: Sand, Kies, Ton und Kaolin in der Naab-Wondrebsenke

Mit dem Projekt konnten regional bedeutsame Rohstoffpotenziale hinsichtlich Kaolin, Sand, Kies und Ton nachgewiesen werden. Sie dienen vorwiegend der mittel- bis langfristigen regionalen Rohstoffversorgung der nördlichen Oberpfalz.

Weißkalke für die Papierindustrie

Hochreine Weißkalke finden für Spezialanwendungen und als Substitut für Kaolin in der Papierindustrie Verwendung. Das Untersuchungsprogramm konnte auf der Fränkischen Alb mehrere geeignete, mittelfristig nutzbare Vorkommen ausweisen.

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Regensburger Grünsandstein als Gestein für Restaurierung

Zurzeit steht die Restaurierung vieler Bauwerke aus Regensburger Grünsandstein an, unter anderem die Steinerne Brücke in Regensburg und die Residenz in München. Da sich keine der alten Grünsandsteinbrüche mehr im Abbau befinden, wurde gezielt ein Untersuchungsprogramm durchgeführt, um ein optimales Gestein in ausreichender Menge zu erkunden. Es wurden drei Stellen gefunden, an denen der Grünsandstein in geforderter Qualität ansteht, an einer dieser Lokalitäten steht ein Abbau unmittelbar bevor.

Mürbsandsteine Mittelfrankens als Ersatz für Talsande

Aufgrund konkurrierender Nutzungen gehen mittelfristig die quartären Sande und Kiese im Großraum Nürnberg zur Neige. Als Ersatzrohstoff hierfür wurde der Mürbsandstein des Mittleren Keuper, zum Beispiel im Oettinger Forst, erkundet. Erste Ergebnisse sprechen für eine gute Verwertbarkeit des Materials.

Hochreine Quarze für die Solarindustrie

Hochreiner Quarz ist Grundlage für die Produktion von Silizium, welches zum Beispiel bei der Produktion von Solarzellen und in der Halbleiterindustrie verwendet wird. Durch das Erkundungs­programm konnten in Niederbayern mindestens zwei Gebiete ausgewiesen werden, die für die Silizium-Industrie interessante Quarzkies­vorkommen enthalten. Sie können mittelfristig eine wesentliche Grundlage der lokalen Silizium-Industrie bilden. In Zukunft werden auch Quarzvorkommen der Nebenpfähle sowie von Pegmatiten auf ihre Qualität hin untersucht.

Höchstreine Quarze für die Halbleiterindustrie

Neben den natürlich vorkommenden hochreinen Quarzen stehen auch die so genannten „High purity“-Quarze (Quarze mit Verunreinigungen von weniger als 20 parts per million) im Brennpunkt des wirtschaftlichen Interesses. Diese durch aufwändige Aufbereitung (wie zum Beispiel Flotation oder Kalzinierung) gewonnenen Quarze werden unter anderem zur Herstellung von Mikrochips und Spezialgläsern zum Beispiel für Beamer-Lampen benötigt. Im Rahmen der rohstoffgeologischen Bearbeitung werden mögliche geologische Vorkommen sowie ihre technisch-wirtschaftliche Verwendbarkeit untersucht.

Grundwasserfreie Kiese zwischen Landsberg und Mering als Ersatz für Kiese in den Lech-Auen

Die Nutzungsmöglichkeiten quartärer Kiese und Sande neigen sich in den Talbereichen, insbesondere aufgrund konkurrierender Nutzungsansprüche, mittelfristig dem Ende zu. Daher wurde im Zuge eines Erkundungsprogramms gezielt nach über den Talböden liegenden, möglichst grundwasserfreien Vorkommen gesucht. Erste Ergebnisse weisen auf mehrere nutzbare Vorkommen hin, die mittel- bis langfristig für eine Gewinnung in Frage kommen.

Selten Erd Elemente: „SEE als Beifang sedimentärer Lagerstätten“

Der bayerische Wirtschaftsstandort in den Hightech-Branchen Elektronik, Automobil und Energie ist vom Weltmarkt durch die strategische Industriepolitik der Lieferländer besonders bei den Selten Erd Elementen (SEE) abhängig. Durch das Projekt sollen schnell verfügbare, bislang ungenutzte Potenziale aktiver Betriebe (sedimentäre Lagerstätten des Mesozoikums, des Tertiärs sowie des Quartärs) aufgezeigt und nutzbar gemacht werden. Damit kann ein Beitrag zur mittelfristigen Bedarfsdeckung geleistet werden.

SEE als Beifang sedimentärer Lagerstätten Nordbayerns (2014) PDF (7,46 MB)

Seltene Erden: „SEE aus Kristallinen Lagerstätten“

Das Projekt untersuchte, ob und in welcher Größenordnung in speziellen Kristallingesteinen des Fichtelgebirges SEE-Minera­lisa­tionen vorliegen, die aus heutiger Sicht wirtschaftlich gewinn- und vermarktbar sind. Im Zuge der Untersuchung konnten zwar SEE-Mineralisationen in den explorierten Quarziten gefunden werden, ein wirtschaftlich nutzbares Potenzial ist aber wegen Kleinräumigkeit nicht gegeben. Eine Gewinnbarkeit liegt demnach nicht vor.

SEE-Potenzial in Kristallingesteinen des Fichtelgebirges PDF (9,28 MB)

Schwerspat Spessart / Rhön

Durch den Anstieg des Barytpreises auf dem Weltmarkt um knapp 100 Prozent sind insbesondere die noch nicht abgebauten (Rest-)Vorkommen von Schwerspat (Baryt) in Spessart und Rhön wieder strategisch bedeutsam. Ziel der Erkundung ist die Ausweisung wirtschaftlich gewinn- und nutzbarer Restvorkommen.

Suevit als hochwertiger Zementzuschlag (Trasszement)

Da Suevit, der bayerische Riestrass, aufgrund der geologischen Gegebenheiten nur punktuell vorkommt, wird im Zuge des Projektes eine intensive Erkundung mit einer eingehenden rohstoff­geologischen Begutachtung und Bewertung des Probenmaterials durchgeführt.

Hartgesteine Nordostbayerns, im Alpenraum und in Nordwestbayern

Die derzeit im Abbau befindlichen Lagerstätten sind weitgehend erschöpft oder durch konkurrierende Nutzungsansprüche eingeschränkt. Erkundungsziele sind sedimentäre, metamorphe und magmatische Hartgesteine wie Diabase, Basalte, Amphibolite, gegebenenfalls auch Granite zur Herstellung hochwertigen Edelsplitts (Straßenbau) sowie Gleisschotters. Sie sollen mittel- bis langfristig der Versorgung Nordostbayerns und Südbayerns dienen.

Diverse Sand- und Kalksteine für Restaurierungszwecke

Blasensandstein und Doggersandstein sind geschätzte Naturwerksteine und werden zu Restaurierungszwecken in vielfältiger Weise eingesetzt.

Ihre Erkundung soll außerhalb der vorhandenen Gewinnungsstellen künftig nutzbare Potenziale aufzeigen. Der Quaderkalkstein ist einerseits ein gesuchter Stein zur authentischen Restaurierung historischer Bauwerke, wird aber andererseits heute auch vermehrt als Pflasterstein bei der Altstadtsanierung eingesetzt. Die vorhandenen Abbauflächen konkurrieren häufig mit Belangen der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes und der Stadtentwicklung. Die Erkundung soll künftig nutzbare Potenziale aufzeigen.

Einige Beispiele für die Restaurierung mit Naturwerksteinen sind:

  • Kloster Banz,
  • Vierzehnheiligen,
  • der Bamberger Dom,
  • die Münchner Amalienburg,
  • die Mainbrücke in Würzburg sowie der
  • Neptunbrunnen in München.

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