Rohstoffstrategie Bayern

Rohstoffengpass bei kritischen Rohstoffen

Deutschland und insbesondere Bayern zählen zu den größten Rohstoff­konsumenten der Welt. Nur ein geringer Teil des Rohstoff­verbrauchs kann jedoch aus einheimischen Lagerstätten gedeckt werden. Gerade die bayerische Industrie ist in besonderem Maße von einer gesicherten Einfuhr von Rohstoffen abhängig. Neben den energetischen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle sind es vor allem Metalle und spezielle Industrieminerale, die wir praktisch zu 100 % importieren müssen.

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Viele Hightechprodukte der bayerischen Wirtschaft enthalten Rohstoffe der sogenannten „Gewürzmetalle“ beziehungsweise Seltenen Erden, die als kritisch eingestuft werden. Kritisch deshalb, weil das Risiko von Versor­gungs­­engpässen für unsere wichtigsten Zukunftstechnologien, wie etwa Hybrid- und Elektroantriebe, LED-Beleuchtungssysteme oder Hoch­leistungs­magnete besteht. Die kritischen Rohstoffe werden nur in wenigen Ländern erzeugt und sind kaum zu substituieren. Die Rück­gewinnungs­quote über Recycling ist gleichzeitig vernachlässigbar gering. Für unsere Industrie sind diese Rohstoffe eminent wichtig. Es handelt sich dabei zum Beispiel um

  • Antimon, Flussspat, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, Seltene Erden (zum Beispiel Ytrrium) und Wolfram mit Schwerpunkt der Produktion in China;
  • Metalle der Platingruppe mit Schwerpunkt der Produktion in Russland;
  • Kobalt und Tantal mit Schwerpunkt der Produktion im Kongo sowie
  • Niob mit Produktionsschwerpunkt in Brasilien.

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Strategien des Bundes und der EU gegen die „Rohstoffklemme“

Die Sicherung der Rohstoffversorgung ist zunächst ureigene Aufgabe der Unternehmen selbst, das heißt die Unternehmen haben in erster Linie selbst ihre Rohstoffquellen zu sichern. Die politischen Herausforderungen für die Versorgung von Unternehmen mit kritischen Rohstoffen sind vielschichtig; sie betreffen Wirtschafts- und Umweltpolitik ebenso wie Außen-, Handels- und Entwicklungspolitik. Für Bayern als rohstoffarmes Land ist vor allem der barrierefreie Handel von Rohstoffen von größter Bedeutung. Der Freistaat ist auf offene Märkte für Rohstoffe angewiesen. Die damit verbundenen Herausforderungen können jedoch wirksam nur im europäischen und bundesdeutschen Rahmen gemeistert werden.

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Auf europäischer Ebene und auf Bundesebene wurden bereits eine Vielzahl von Initiativen gestartet, um die Versorgung Europas und Deutschlands mit Rohstoffen langfristig sicherzustellen. Mit der Gründung der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover hat das Bundes­wirtschaftsministerium im Herbst 2010 einen zentralen Service für Rohstoff­fragen für die deutsche Wirtschaft geschaffen.

Die Aufgaben der Deutschen Rohstoffagentur sind:

  • Aufbau eines Rohstoffinformationssystems mit dem Ziel der Erhöhung der Markttransparenz auf den Rohstoffmärkten;
  • direkte Unterstützung deutscher Unternehmen im In- und Ausland bei Rohstofffragen;
  • fachliche Unterstützung bei Förderprogrammen des Bundes;
  • Untersuchung neuer Rohstoffpotenziale im In- und Ausland im Vorfeld der Wirtschaft sowie
  • Länderpartnerschaften für den Bezug von Rohstoffen aus dem Ausland.

Die Europäische Kommission hat im Februar 2011 die bisherige EU-Rohstoffstrategie aktualisiert. Für eine sichere Rohstoffversorgung setzt die EU auf eine Drei-Säulen-Strategie:

  • Rohstoffdiplomatie mit Investitionshilfen in den Entwicklungsländern für die Gewinnung und den Transport der Rohstoffe;
  • Handelsabkommen und Überwachung von Exportbeschränkungen;
  • Förderung einer nachhaltigen Rohstoffsicherung;
  • Steigerung der Ressourcen-Effizienz und der Wiederverwertung

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Bayerische Initiativen zur Sicherung der Rohstoffversorgung des Freistaats

Zur Sicherung der heimischen Rohstoffversorgung hat der Freistaat Bayern auf Landesebene nur begrenzte Möglichkeiten. Im Rahmen der im Juni 2010 gegründeten interministeriellen Arbeitsgruppe „Rohstoffstrategie“ begleitet die Staatsregierung vor allem unterstützend die Initiativen des Bundes und der EU.

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Die interministerielle Arbeitsgruppe „Rohstoffstrategie“ befasst sich mit folgenden Themen:

  • Intensivierung der Rohstofferkundung in Bayern und Neubewertung der Lagerstätten;
  • Verbesserungen der nachhaltigen Sicherung der Rohstoffe in Bayern;
  • Unterstützung der bayerischen Wirtschaft beim Zugang zu Rohstoffen im Ausland durch die Außenwirtschaft;
  • Effizienter Rohstoffeinsatz und Möglichkeiten der Rohstoffsubstitution im Rahmen bayerischer Forschung und Entwicklung;
  • Entwicklung von Recyclingkonzepten zur Steigerung der Wiederverwertung;
  • Bereitstellung allgemeiner Informationen und Öffentlichkeitsarbeit.

Es gilt vor allem die Primärrohstoffversorgung zu sichern und wo möglich, verstärkt Sekundärrohstoffe einzusetzen.

Diese Homepage schafft eine Plattform für die Darstellung der Initiativen und ihrer Ergebnisse, ist offen für Diskussionen und Anregungen, und informiert wie wichtig Rohstoffe für den Erhalt unserer Wirtschaft und unseres Wohlstandes sind.

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